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Der Kindergarten ist im Parlament angekommen !

 

Liebe Kollegin, lieber Kollege! Liebe engagierte FreundInnen!

 Die erste inhaltliche Debatte des Ausschusses zur Behandlung des Bildungsvolksbegehren diskutierte die Reform der Elementarpädagogik.

Nicht zuletzt durch das enorme Engagement so vieler PädagogInnen und MitarbeiterInnen aus den Kindergärten und anderen Einrichtungen der Elementarpädagogik sowie von vielen Eltern, AlleinerzieherInnen, RepräsentantInnen aus Lehre und Forschung u.v.a. (rund 500 E-Mails aus ganz Österreich gingen mit den Forderungen der Elementarpädagogik an die Damen und Herren Abgeordneten!) waren die Wortmeldungen der einzelnen Abgeordneten ungewohnt harmonisch und weitgehendst im Sinn der in den E-Mails angeführten Punkte.

Viele haben sich engagiert: wie wir sehen – es lohnt sich.

Natürlich wissen wir alle heute noch nicht, welche tatsächlichen Auswirkungen die Diskussion am Ende des Ausschusses und vor allem in der abschließenden Behandlung durch den Nationalrat haben wird. Wir sind aber zuversichtlich.

Damit unsere Anliegen auch weiterhin und vor allem auch „in der Praxis“ ernst genommen werden, wollen wir „am Ball bleiben“ und laden Sie herzlich ein, die Zukunft Österreichs weiterhin mitgestalten zu helfen: etwa in der Facebook-Gruppe BILDUNG IST ZUKUNFT – FÜR ALLE MENSCHEN IN ÖSTERREICH. Diese richtet sich an alle Menschen und Institutionen, deren Perspektive eine neue Zukunft der Bildung ist.

Kinder, Jugendliche, Eltern und Alleinerziehende, StudentInnen, LehrerInnen/PädagogoInnen - vom Kindergarten über die Schulen, Horte, Universitäten/Pädagogischen Hochschulen/Fachhochschulen bis zur Erwachsenenbildung - und alle Interessierte sind eingeladen, sich mit ihren Gedanken, Ideen, Aktivitäten etc. einzubringen und so konkret die Zukunft der Bildung - im umfassendsten Sinn - mitgestalten zu helfen Beitritt unter: http://www.facebook.com/groups/236491976414966/#!/groups/236491976414966/

Ihr Engagement für die Elementarpädagogik ist gefragt!

Zu Ihrer Information hier die offizielle Verlautbarung des Parlaments zum Ablauf der Spezialdebatte des Sonderausschusses zum Bildungsvolksbegehrens

Frühkindliche Pädagogik braucht mehr Aufmerksamkeit der Politik

Wien (PK) – Im zweiten Teil seiner heutigen Sitzung widmete sich der Besondere Ausschuss zur Vorberatung des Volksbegehrens Bildungsinitiative dem Thema Vorschulische Einrichtungen und Frühpädagogik.

Die Diskussion von ExpertInnen und Abgeordneten drehten sich um Fragen der gemeinsamen akademischen Ausbildung der PädagogInnen, der Qualitätssicherung und der angemessenen Bezahlung der Leistungen, die in diesem gesellschaftlich enorm wichtigen Bereich erbracht werden.

Alle diese Aspekte müssen beachtet werden, um der frühkindlichen Pädagogik jene Wertschätzung in der Gesellschaft zu geben, die ihr zusteht, da sie das Fundament für die spätere Bildungskarriere legt, wie betont wurde. Man müsse daher auch von dem Begriff der "Betreuungseinrichtung" wegkommen, um die Einrichtungen des vorschulischen Bereichs als Bildungseinrichtung zu verstehen und entsprechend zu schätzen. Dafür müssen aber auch mehr Ressourcen, sowohl personell als auch finanziell, mobilisiert werden. Das sei auch deshalb wichtig und mache sich bezahlt, weil alle Versäumnisse in diesem Bereich sich später als weit höhere Kosten für die Gesellschaft niederschlagen, so der allgemeine Tenor.

Es bestehe dabei eine Reihe von Problemen, in denen das Handeln der Politik gefragt sei, wurde festgestellt. So gebe es Schnittstellenproblematiken zwischen Elternhaus und pädagogischen Einrichtungen, sowie beim Übergang vom Kindergarten zur Volksschule.

Ein breiter Konsens zeichnete sich auch hinsichtlich der Notwendigkeit ab, die Kompetenzzersplitterung, welche in Österreich besteht, zur Umsetzung der festgestellten Aufgaben zu beenden. Der Bund werde daher eine klare Zuständigkeit in den Bereichen Ausbildung, Qualitätssicherung sowie Dienst- und Besoldungsrecht brauchen.

Die Bedeutung der Frühförderung muss gewürdigt werden

Bernd Schilcher legte in seinem Statement ein Plädoyer für Frühförderung ab. Ihr Stellenwert werde in Österreich leider noch nicht überall ausreichend erkannt und deshalb die Notwendigkeit einer akademischen Ausbildung für FrühpädagogInnen noch nicht überall akzeptiert. Er hob hervor, dass die frühpädagogischen Einrichtungen wesentlicher Faktor der Sprachförderung und damit zentral für die spätere Bildungskarriere, insbesondere auch von Kindern mit Migrationshintergrund, sind. Es sei durch Studien erwiesen, dass die Gesamtschule sich positiv auf den Lernerfolg auswirke und das Modell der Ganztagsschule dabei zu bevorzugen sei. Österreich habe das große Problem von jährlich rund 9.000 Jugendlichen, die ohne formalen Abschluss von der Schule abgehen. Man müsse bedenken, dass die Reparatur von Versäumnissen in diesem Bereich später sehr teuer komme. Der Föderalismus stelle in Österreich leider ein großes Hindernis im Bereich der Bildungspolitik dar, stellte Schilcher fest, da er eine enorme Kompetenzzersplitterung verursache. 

Heidemarie Lex-Nalis (Plattform EduCare) konzentrierte sich auf den Status der FrühpädagogInnen, der dringend anzuheben sei. Aus dem gesellschaftlichen Unverständnis für ihre Bedeutung resultiere, dass die KindergartenpädagogInnen die niedrigste Ausbildung und die niedrigsten Gehälter des gesamten Bildungsbereichs hätten und dass auf die Kindergärten der kleinste Anteil am Bildungsbudget entfalle. Die Ziele des verpflichtenden Kindergartenjahres und des bereits bestehenden Bildungs-Rahmenplans seien aber ohne eine bundesweite Koordination nicht umsetzbar.

Siegmund Stemer (Amt der Vorarlberger Landesregierung) plädierte dafür, die Eltern stärker in die Frühpädagogik einzubeziehen. Man müsse in den Bildungseinrichtungen weg vom Prinzip einer Negativauslese hin zu einer Orientierung an Stärken und Potenzialen der Kinder kommen. Eine besondere Schnittstellenproblematik ortete Stemer im Bereich des Übergangs von den Kindergärten zur Volksschule.

Gerhild Hubmann (Amt der Kärntner Landesregierung) sagte, in der Frage der akademischen Ausbildung aller PädagogInnen brauche man ein schrittweises Vorgehen. Sie sei sicher erstrebenswert, aber nicht sofort für alle umsetzbar. Wichtig sei es, die Kindergärten als erste Bildungseinrichtungen zu verstehen, in denen die Sprachförderung einen Schwerpunkt bildet.

Raphaela Keller (Vorsitzender der Berufsgruppe von Kindergarten und HortpädagogInnen Wien) betonte, Bildung müsse als Bestandteil des ganzen Lebens begriffen werden. Elementare Bildungseinrichtungen solle man besser nicht als "vorschulisch" bezeichnen, da sie nicht nur auf die Schule vorbereiten. Sie seien mehr als bloße Betreuungseinrichtungen. Der gesamte Bildungsbereich – auch der so genannte "außerschulische" - müsse in ein Gesamtkonzept Bildung einbezogen werden. Dafür wäre ein eigenes Ministerium für Bildung notwendig. Investitionen in die elementaren Bildungseinrichtungen lohnen sich für die Gesellschaft später vielfach, appellierte sie.

Elfriede Wegricht (Institut für Begabungsdiagnostik und Begabtenförderung) hob die Bedeutung der Einstellung der Eltern ihren Kindern gegenüber hervor. Diese bereite den Boden für spätere Bildungserfolge. Wichtig für den Erwerb der Empathiefähigkeit und sozialer Kompetenz sei ein beständiges Gegenüber für das Kind. Im allgemeinen werde das die Mutter bieten. Daher sei eine entsprechende Ausbildung auch der Eltern grundlegend wichtig. Pädagogik müsse auf Herstellung einer angstfreie Umgebung, in der Kinder ihre Talente und Potenziale erforschen können, abzielen.

Schmied: Pädagogische Einrichtungen müssen ausgleichend wirken

Bundesministerin Claudia Schmied wies auf die Rolle der Familie hin, wobei das Elternhaus die Bildungskarriere in Österreich immer noch stark vorausbestimme. Hier müssen pädagogische Einrichtungen ausgleichend wirken. Bildung verstehe sie sowohl als Bildung im humanistischen Sinn als auch als Ausbildung. Auch die Kindergärten müssten dabei schon als Bildungseinrichtungen verstanden werden. Was könne nun Bildungspolitik dazu beitragen, damit sie diese Aufgabe auch wahrnehmen können, fragte Schmied und nannte dazu fünf Punkte: eine ausreichende Anzahl der Betreuungsplätze, die gute Ausbildung der PädagogInnen, Qualitätssicherung, die Förderung einer wertschätzenden gesellschaftlichen Haltung und die Beachtung des Übergangs vom Kindergarten zur Volksschule. Hier sei festzuhalten, dass bereits einiges geschehen sei, das Platzangebot für die Vier- bis Sechsjährigen sei weitgehend flächendeckend vorhanden.

Wichtig werde es aber sein, dass die Vielfalt der Kinder als Chance begriffen und sprachliche Frühförderung stärker betont werde. Alles in allem habe eine tiefgreifende Modernisierung des Bildungssystems begonnen. Das Bildungsvolksbegehren habe bereits viel bewirkt, das müsse sich aber fortsetzen. Sie hoffe, dass im Bildungsbereich eine Kultur der Wertschätzung und des Gelingens sich etablieren lasse.

Auch Eltern brauchen Unterstützung

Ausschussobmann Elmar Mayer (S) eröffnete die Runde der Abgeordnetenbeiträge und verwies auf die Probleme, denen er in vielen Jahren der Tätigkeit als Pädagoge begegnet sei. Es zeige sich, dass die Defizite der Kinder, welche wenig gefördert werden, beim Übertritt in die Volksschule immer stärker werden. Die Entwicklung, die sich hier abzeichne, sei erschreckend, denn was im frühen Alter versäumt wurde, könne die Schule kaum mehr beheben.

Abgeordnete Gabriele Binder-Maier (S) meinte, sie habe sich überzeugen lassen, dass tatsächlich eine gemeinsame Ausbildung aller PädagogInnen erstrebenswert sei. Dabei dürfe aber ihrer Meinung nach der Praxisbezug nicht verloren gehen. Auch Eltern brauchten Unterstützung, die Phase der Schwangerschaft biete hier viele Ansatzmöglichkeiten. Der Schlüssel zu Änderungen liege letztlich bei der Neuregelung der Länderkompetenzen, hier müsse man ansetzen. 

Abgeordnete Katharina Cortolezis-Schlager (V) wies auf die Bedeutung entsprechender Einrichtungen für Frühpädagogik an Hochschulen hin, hier seien erste Ansätze gegeben. Über Grundlagenforschung und angewandter Forschung dürfe man die Familien nicht vergessen. Zur Qualitätssicherung meinte sie, es sollte möglich sein, eine solche flächendeckend einzurichten. Dazu gehöre auch das entsprechende Platzangebot für die Kinder, damit sie tatsächlich lernen und entdecken können, sowie gute Rahmenbedingungen für die PädagogInnen. Die Kindergärten müssten nah an den Kommunen und bei den Eltern angesiedelt sein, forderte sie. 

Abgeordneter Franz-Joseph Huainigg (V) sprach das Thema Behinderung in Bildungseinrichtungen an. Kinder gingen mit Behinderung sehr selbstverständlich um. Die Integration sei daher ein wichtiger Punkt. Ein Problem stellen die Sonderschulen dar. Es zeige sich, dass die Zahl der SonderschülerInnen bisher nie gesunken sei. Der hohe Anteil an MigrantInnenkindern in diesen Schulen sei ein Hinweis darauf, dass dort offenbar nicht nur Kinder mit sonderpädagogischem Bedarf zu finden sind. Hier seien die Interessen derer, die dieses System erhalten wollen, offenbar stärker als die der Kinder, kritisierte der Abgeordnete. Es müsse hier unbedingt etwas geschehen.

Abgeordnete Daniela Musiol (G) stellte fest, es sei sicher positiv, dass im Ausschuss eine Aufbruchsstimmung herrsche. Sie hoffe aber, diese schlage sich auch in Ergebnissen nieder. Die Probleme selbst seien ja lange bekannt. So sei klar, dass die bestehende Zersplitterung endlich durch Einführung einer Bundeskompetenz überwunden werden müsse. Auch die gemeinsame akademische Ausbildung der PädagogInnen müsse Realität werden. Dazu müsse der Bund aber die entsprechenden Geldmittel einsetzen.

Abgeordnete Ursula Haubner (B) sah die Bedeutung der frühkindlichen Pädagogik außer Streit stehen. Die Fragen, die sich für sie stellen, betreffen die Einbindung der Eltern und die Elternbildung. In die Qualitätssicherung müssten auch die verschiedenen Angebote der Betreuung, wie Tageseltern, einbezogen werden. Ihre Fraktion spreche sich auch eindeutig für eine bundeseinheitliche Kompetenz aus.

Elementare Bildung erfordert einen größeren Anteil am Budget

Eine zweite Diskussionsrunde zum Thema "elementare Bildung" leitete Hannes Androsch als einer der Initiatoren des Volksbegehrens Bildungsinitiative ein, indem er Vorschläge wie eine Bildungsstiftung und das zweite verpflichtende Vorschuljahr ausdrücklich begrüßte. Die Frage der Finanzierung sei sicherlich lösbar, zeigte er sich überzeugt, wenn man die Effizienz der Verwaltung steigere. Hier sei viel Geld zu holen, das nur richtig eingesetzt werden müsse. Es sei jedenfalls wichtig, dass die gebündelte Expertise und der Impuls des Volksbegehrens zur Umsetzung der Vorschläge führe.

Heidemarie Lex-Nalis konstatierte, die Behebung der Kompetenzzersplitterung im Bereich der elementaren Bildung sei vorrangig. Vorschläge für die Umsetzung der Qualitätssicherung und der tertiären Ausbildung der FrühpädagogInnen liegen vor, sie müsse nur umgesetzt werden.

Siegmund Stemer verwies darauf, dass neueste Erkenntnisse die Gruppe der Vier- bis Achtjährigen als Einheit begreifen, in die aber der Übergang zur Volksschule als schwerwiegender Einschnitt falle. Für die PädagogInnen in diesem Bereich brauche man daher eine einheitliche Ausbildung und durchlässige Karrieremodelle.

Gerhild Hubmann merkte an, auch bei Akademisierung des Berufs müsse die praktische Pädagogik kindgerecht sein. Wichtig sei die Vereinfachung der Zuständigkeiten und Kompetenzen, damit PädagogInnen praktisch arbeiten können.

Raphaela Keller meinte, eine höhere Bewertung der Arbeitsleistung der PädagogInnen müsse sich auch in einer besseren Bezahlung und der Möglichkeit zur Arbeit mit kleineren Gruppen niederschlagen. Letztlich müsse an einem kontinuierlich Bildungssystem für Kinder im Alter von 0-12 Jahren gearbeitet werden.

Elfriede Wegricht betonte, dass die gute Ausbildung der PädagogInnen natürlich nicht nur die intellektuellen Fähigkeiten im Auge haben dürfe. Wichtig sei die Fähigkeit zur Empathie. Die Kenntnisse von Neuro- und Entwicklungspsychologie müssten praktisch umgesetzt werden. Für PädagogInnen wie Eltern brauche man dabei ein Angebot an Unterstützungen durch Fachleute.

Abgeordnete für Kompetenzänderungen im Bildungsbereich

Bundesministerin Claudia Schmied sprach die Punkte an, in denen der Bund konkret Möglichkeiten zur Umsetzung habe. Das sei zum einen die Weiterentwicklung der berufsbildenden höheren Schulen. Österreich habe hier ein einzigartiges System, das weiterentwickelt werden müsse. Derzeit seien die Lehrpläne der BMHS in Bearbeitung. Vor dem Sommer stehe auch die Novellierung des Sprachförderungsgesetzes an. Statt der ständigen Befristung sollte es hier endlich eine dauerhafte Lösung geben, vor allem in Hinblick darauf, dass die Migration und die daraus resultierende Sprachenvielfalt eine Tatsache sei, der man sich stellen und die man auch als Chance begreifen müsse.

Abgeordneter Josef Auer (S) gab der Hoffnung Ausdruck, dass die Umsetzung der Forderungen des Bildungsvolksbegehren erfolgreich sein werde. Der Boden sei aufbereitet, um ans Ziel zu gelangen, werde man auch finanzielle Mittel brauchen.

Abgeordnete Anna Franz (V) meinte, es sei zu hoffen, dass Lösungen gefunden werden, wie die angesprochene Schnittstellenprobleme gelöst und die verbesserte Wertschätzung der Frühpädagogik erreicht werden könne.

Abgeordneter Walter Rosenkranz (F) meinte, es zeige sich, dass es viele Gemeinsamkeiten gebe, die Frage werde sein, was man davon umsetzen könne. Es werde dabei unumgänglich sein, Änderungen bei den Kompetenzen der Landeshauptleute durchzusetzen.

Abgeordneter Harald Walser (G) zeigte sich erfreut über die sachliche Diskussion. Die erkannten Probleme müssten nun auch angegangen werden, ob es die bessere Bezahlung oder die Vereinheitlichung der Kompetenzen gehe. Hier seien klare Vorgaben des Gesetzgebers erforderlich. 

Abgeordneter Rainer Widmann (B) unterstrich, dass die Debatte die Bedeutung der Frühpädagogik und  die Notwendigkeit einer bundeseinheitliche Kompetenz klar herausgestellt habe. Er hoffe, dass die Regierung in Zusammenarbeit mit der Opposition den Worten auch Taten folgen lasse. (Schluss/Besonderer Ausschuss

http://www.parlament.gv.at/PAKT/PR/JAHR_2012/PK0143/index.shtml

Alle Details über den Fortschritt der Reform der Elementarbildung können Sie regelmäßig im INFORMATIONSDIENST DER PLATTFORM EDUCARE lesen. Bitte schreiben Sie eine Anforderungsmail mit Ihrem Namen und Ihrer E-Mail-Adresse sowie allenfalls der Organisation, zu der Sie gehören: http://www.plattform-educare.org/NEWSLETTER.htm.  Da dieses Service nebenberuflich erstellt wird, kann Regelmäßigkeit und verpflichtende Information leider nicht gewährleistet werden.

Selbstverständlich ist die jederzeitige Abmeldung von diesem kostenlosen Service möglich – bitte schreiben Sie dann eine Mail mit Ihrem Namen und Ihrer E-Mail-Adresse, die in unserem Verteiler vorgemerkt ist und wir werden Ihre Adresse aus dem Verteiler nehmen.



Stellungnahmen der Parlamentsparteien zu 10 Fragen zu grundlegenden Themen der Bildung und Erziehung von Kindern im Vorschulalter

Österreichs Parlamentsparteien einig: Elementarpädagogik umfassend reformieren!

Neben einer Verfassungsänderung für die Zuständigkeit und der Notwendigkeit von einheitlichen Rahmen- und Bildungsplänen soll die Ausbildung der Elementarpädagogik im tertiären Bereich erfolgten.

Die Plattform EduCare - eine parteiübergreifende, überkonfessionelle, keinen pädagogischen Lehrmeinungen und Schulen und keinen Trägerorganisationen verpflichtete Arbeitsgemeinschaft aus Vertreterinnen und Vertretern von Institutionen, Interessengemeinschaften und TrägerInnenorganisationen aus dem Bildungsbereich sowie von Pädagoginnen und Pädagogen – hat den fünf im österreichischen Parlament 10 Fragen zu grundlegenden Themen der Bildung und Erziehung von Kindern im Vorschulalter zur Stellungnahmen vorgelegt.

Die Antworten dazu liegen nun vor.

Kindergarten als Bildungseinrichtung.

Unbestritten ist die Definition des Kindergartens als Bildungseinrichtungen. Das BZÖ differenziert, dass der „Kindergarten als grundlegende Bildungseinrichtung“ als ein Schwerpunkt über den bildungspolitischen Bereich hinausgehender Schwerpunkt der politischen Bemühungen der nächsten Jahre sein muss.

Verfassungsmäßige Zuordnung des bisherigen Bereichs der Kinderbetreuungs- und Bildungseinrichtungen.

Differenziertere Ansichten finden sich zur Überführung des gesamten Bereiches der bisherigen Kinderbetreuungs- und –bildungseinrichtungen – wie Kinderkrippen, Kindergärten, Kindergruppen, Tagesmütter u.s.w. – von der bisherig ausschließlichen Zuständigkeit der Länder in die Grundsatzgesetzgebung des Bundes bei gleichzeitiger Ausführungsgesetzgebung durch die Bundesländer. Während die SPÖ grundsätzlich dafür ist, verschanzt sich die ÖVP hinter der „Regierungsvereinbarung“ und vertröstet diese Regelung auf den Tag einer grundsätzlichen Verfassungs- und Verwaltungsreform. Die GRÜNEN sagen zu einer grundsätzlichen Überführung ein uneingeschränktes ja; FPÖ und BZÖ sehen die Erfordernisse zwar im Grundsatz ebenso, verweisen jedoch auf unterschiedliche Lösungsansätze.

Gesetzlicher Anspruch.

Für einen gesetzlich verankerten Anspruch auf einen Betreuungs/Bildungsplatz sprechen sich unisono 4 der 5 Parlamentsparteien aus, lediglich die ÖVP hinterfragt die Notwendigkeit eines gesetzlichen Anspruches, betont aber die Notwendigkeit des„bedarfsorienten Ausbaus“.

Verbindliche Mindeststandards, einheitlicher Bildungsplan.

Über verbindliche Mindesstandards und einen einheitlichen Bildungsplan, in denen auch die Bildungs-, Betreuungs- und Erziehungsziele für unter 3jährige Kinder miteinbezogen sind, gehen die Meinungen auseinander: während alle 3 Oppositionsparteien (!) dafür sind, findet die SPÖ lediglich zu einem „Bundesrahmengesetz“ ein klares Ja, findet jedoch, dass ein einheitlicher Bildungsplan derzeit noch nicht beschlussreif ist. Die ÖVP wiederum wiederum möchte die Art der Festlegung auf Mindeststandards zuerst zwischen Bund und Ländern ausdiskutieren und findet – im Unterschied zum Regierungspartner -  dass ein einheitlicher Bildungsplan Bestandteil des Regierungsübereinkommens ist und in dieser Legislaturperiode verwirklicht wird.

Ausbildung der Elementaroädagoginnen/en

Währen SPÖ und ÖVP auf die entsprechden Weiterentwicklungswünsche in der Regierungsübereinkunft verweisen, sind sich die Oppositionsparteien in der Forderung nach tertiärer Ausbildung der Elementarpädagogen/innen einig. Ebenso wie die FPÖ verweisen die GRÜNEN darauf, dass diese Ausbildung im Kontext mit der Ausbildung aller pädagogischen Berufe zu sehen ist. Die FPÖ geht hier in der Wortwahl noch weiter und fordert die Integration der Pädagogischen Hochschulen in Universitäten bzw. die Überführung der konfessionellen Hochschulen in Privatuniversitäten.

Wissenschaftliche Forschung

Die Implementierung von wissenschaftlicher Forschung für den elementaren und außerschulischen Bildungsbereich befürworten sätmliche Parteien ohne Einschränkungen. Die ÖVP verweist in diesem Zusammenhang, dass über Initiative von Wissenschaftsminister Hahn an der Universität Graz ein Lehrstuhl für Frühkindpädagogik eingerichtet wurde.





bkn  -  Diskussionsforum

"Was uns bewegt - reden wir darüber !

Viele Kolleginnen diskutierten angeregt über die aktuellen Belange der Bildungseinrichtung Kindergarten.

Auf Wunsch kommen wir auch gerne in andere Regionen Niederösterreichs,
denn deine/ihre Meinung ist uns wichtig.

Der bkn - Vorstand



Pressekonferenz:
Teilnahme von Mag. Rosina Pulker und Lydia Kadoun

Thema: „Kompetenzdschungel im Elementaren Bildungsbereich“

Bericht von der Pressekonferenz der Plattform Educare mit dem Titel
"Kompetenzdschungel im Elementarbildungsbereich":

 

Am Podium:
Mag. Alois Guger, Forschungsbereichskoordinator und Wissenschaftlicher Mitarbeiter WIFO
Dr. Bernd Schilcher, O. Univ.-Prof.i.R., Leiter der Bildungskommission
Mag.a Rosina Pulker, Kindergarten- und Hortpädagogin, Klinische Psychologin, ÖDKH/bkn
Mag.a Dr.in Heidemarie Lex-Nalis, Kindergareten- und Hortpädagogin, Direktorin der BAKIPÄD Wien 10. i.R., Plattform Educare

 

Bildung beginnt lange vor der Schule, daher müssen Elementare Bildungseinrichtungen in die gesamt-österreichische Bildungslandschaft eingegliedert werden.
Die Bedeutung der frühen Entwicklungsjahre vor allem im Hinblick auf die Lern- und Leistungsfähigkeit der Kinder und für deren spätere Lebensperspektiven  ist wissenschaftlich längst hinreichend bewiesen.

Nicht nur die PISA-Ergebnisse, sondern auch andere Studie und Erhebungen - wie z. B. die OECD_Studie "Starting Strong" und zuletzt die Experten/innenkommission des BMUKK stellen Österreich kein gutes Zeugnis aus:
o zu später Beginn einer strukturierten und organisierten Frühförderung
o Bildungs- und Erziehungsziele zu unterschiedlich
o "Wir sind wahrscheinlich das einzige Land der Welt mit einer Kompetenzverteilung im Bildungsbereich, die niemand versteht und niemand braucht." (2. Zwischenbericht des BMUKK 04/08)

Auch Wirtschaftsexperten untermauern die Forderung nach Elementaren Bildungseinrichtungen:
o möglichst frühzeitige Förderung gegen späteres Scheitern im Bildungsprozess
o verpflichtendes Kindergartenjahr zur Erkennung von Schwächen
o Kinder aus bildungsfernen Schichten bleiben hinter dem ihrem Alter entsprechenden Qualifikationsprofil zurück - Chancengleichheit im Bildungssystem wird durch Kindergartenbesuch verbessert

Der Bund hat die Verantwortung für die Elementare Bildungs- Betreuungs- und Erziehungsleistungen zu übernehmen!

Experten der Plattform Educare fordern:
o Bunderverfassungsgesetz dahingehend ändern, dass Kindergärten und Horte nicht mehr alleinige Landessache sind. sondern diese in Artikel 12 übergeführt werden, damit Gesetzgebung und Vollziehung Bundessache und Landessache ist
o Bundesrahmengesetz, dass verbindliche Mindeststandarts für ganz Österreich
o Entwicklung eines einheitlichen Bildungsplanes für ganz Österreich unter Miteinbeziehung der Bildungs-/Betreuungs- und Erziehungsziele von unter 3jährigen
o Anhebung der Ausbildung von Pädagoginnen für den Elementarbereich auf Hochschulniveau mit den anderen pädagogischen Berufen

Die bkn unterstützt diese Forderungen !