Der Kindergarten ist im Parlament angekommen !
Liebe Kollegin, lieber Kollege! Liebe engagierte FreundInnen!
Die erste inhaltliche Debatte des Ausschusses zur Behandlung des
Bildungsvolksbegehren diskutierte die Reform der Elementarpädagogik.
Nicht zuletzt durch das enorme Engagement so vieler PädagogInnen und
MitarbeiterInnen aus den Kindergärten und anderen Einrichtungen der
Elementarpädagogik sowie von vielen Eltern, AlleinerzieherInnen,
RepräsentantInnen aus Lehre und Forschung u.v.a. (rund 500 E-Mails aus ganz
Österreich gingen mit den Forderungen der Elementarpädagogik an die Damen und
Herren Abgeordneten!) waren die Wortmeldungen der einzelnen Abgeordneten
ungewohnt harmonisch und weitgehendst im Sinn der in den E-Mails angeführten
Punkte.
Viele haben sich engagiert: wie wir sehen – es lohnt sich.
Natürlich wissen wir alle heute noch nicht, welche tatsächlichen Auswirkungen
die Diskussion am Ende des Ausschusses und vor allem in der abschließenden
Behandlung durch den Nationalrat haben wird. Wir sind aber zuversichtlich.
Damit unsere Anliegen auch weiterhin und vor allem auch „in der Praxis“ ernst
genommen werden, wollen wir „am Ball bleiben“ und laden Sie herzlich ein, die
Zukunft Österreichs weiterhin mitgestalten zu helfen: etwa in der
Facebook-Gruppe BILDUNG IST ZUKUNFT – FÜR ALLE MENSCHEN IN ÖSTERREICH. Diese
richtet sich an alle Menschen und Institutionen, deren Perspektive eine neue
Zukunft der Bildung ist.
Kinder, Jugendliche, Eltern und Alleinerziehende, StudentInnen, LehrerInnen/PädagogoInnen
- vom Kindergarten über die Schulen, Horte, Universitäten/Pädagogischen
Hochschulen/Fachhochschulen bis zur Erwachsenenbildung - und alle Interessierte
sind eingeladen, sich mit ihren Gedanken, Ideen, Aktivitäten etc. einzubringen
und so konkret die Zukunft der Bildung - im umfassendsten Sinn - mitgestalten zu
helfen Beitritt unter:
http://www.facebook.com/groups/236491976414966/#!/groups/236491976414966/
Ihr Engagement für die Elementarpädagogik ist gefragt!

Zu Ihrer Information hier die offizielle Verlautbarung des Parlaments zum Ablauf
der Spezialdebatte des Sonderausschusses zum Bildungsvolksbegehrens
Frühkindliche Pädagogik braucht mehr Aufmerksamkeit der Politik
Wien (PK) – Im zweiten Teil seiner heutigen Sitzung widmete sich der Besondere
Ausschuss zur Vorberatung des Volksbegehrens Bildungsinitiative dem Thema
Vorschulische Einrichtungen und Frühpädagogik.
Die Diskussion von ExpertInnen und Abgeordneten drehten sich um Fragen der
gemeinsamen akademischen Ausbildung der PädagogInnen, der Qualitätssicherung und
der angemessenen Bezahlung der Leistungen, die in diesem gesellschaftlich enorm
wichtigen Bereich erbracht werden.
Alle diese Aspekte müssen beachtet werden, um der frühkindlichen Pädagogik jene
Wertschätzung in der Gesellschaft zu geben, die ihr zusteht, da sie das
Fundament für die spätere Bildungskarriere legt, wie betont wurde. Man müsse
daher auch von dem Begriff der "Betreuungseinrichtung" wegkommen, um die
Einrichtungen des vorschulischen Bereichs als Bildungseinrichtung zu verstehen
und entsprechend zu schätzen. Dafür müssen aber auch mehr Ressourcen, sowohl
personell als auch finanziell, mobilisiert werden. Das sei auch deshalb wichtig
und mache sich bezahlt, weil alle Versäumnisse in diesem Bereich sich später als
weit höhere Kosten für die Gesellschaft niederschlagen, so der allgemeine Tenor.
Es bestehe dabei eine Reihe von Problemen, in denen das Handeln der Politik
gefragt sei, wurde festgestellt. So gebe es Schnittstellenproblematiken zwischen
Elternhaus und pädagogischen Einrichtungen, sowie beim Übergang vom Kindergarten
zur Volksschule.
Ein breiter Konsens zeichnete sich auch hinsichtlich der Notwendigkeit ab, die
Kompetenzzersplitterung, welche in Österreich besteht, zur Umsetzung der
festgestellten Aufgaben zu beenden. Der Bund werde daher eine klare
Zuständigkeit in den Bereichen Ausbildung, Qualitätssicherung sowie Dienst- und
Besoldungsrecht brauchen.
Die Bedeutung der Frühförderung muss gewürdigt werden
Bernd Schilcher
legte in seinem Statement ein Plädoyer für Frühförderung ab. Ihr Stellenwert
werde in Österreich leider noch nicht überall ausreichend erkannt und deshalb
die Notwendigkeit einer akademischen Ausbildung für FrühpädagogInnen noch nicht
überall akzeptiert. Er hob hervor, dass die frühpädagogischen Einrichtungen
wesentlicher Faktor der Sprachförderung und damit zentral für die spätere
Bildungskarriere, insbesondere auch von Kindern mit Migrationshintergrund, sind.
Es sei durch Studien erwiesen, dass die Gesamtschule sich positiv auf den
Lernerfolg auswirke und das Modell der Ganztagsschule dabei zu bevorzugen sei.
Österreich habe das große Problem von jährlich rund 9.000 Jugendlichen, die ohne
formalen Abschluss von der Schule abgehen. Man müsse bedenken, dass die
Reparatur von Versäumnissen in diesem Bereich später sehr teuer komme. Der
Föderalismus stelle in Österreich leider ein großes Hindernis im Bereich der
Bildungspolitik dar, stellte Schilcher fest, da er eine enorme
Kompetenzzersplitterung verursache.
Heidemarie Lex-Nalis (Plattform EduCare)
konzentrierte sich auf den Status der FrühpädagogInnen, der dringend anzuheben
sei. Aus dem gesellschaftlichen Unverständnis für ihre Bedeutung resultiere,
dass die KindergartenpädagogInnen die niedrigste Ausbildung und die niedrigsten
Gehälter des gesamten Bildungsbereichs hätten und dass auf die Kindergärten der
kleinste Anteil am Bildungsbudget entfalle. Die Ziele des verpflichtenden
Kindergartenjahres und des bereits bestehenden Bildungs-Rahmenplans seien aber
ohne eine bundesweite Koordination nicht umsetzbar.
Siegmund Stemer (Amt der Vorarlberger Landesregierung)
plädierte dafür, die Eltern stärker in die Frühpädagogik einzubeziehen. Man
müsse in den Bildungseinrichtungen weg vom Prinzip einer Negativauslese hin zu
einer Orientierung an Stärken und Potenzialen der Kinder kommen. Eine besondere
Schnittstellenproblematik ortete Stemer im Bereich des Übergangs von den
Kindergärten zur Volksschule.
Gerhild Hubmann (Amt der Kärntner Landesregierung)
sagte, in der Frage der akademischen Ausbildung aller PädagogInnen brauche man
ein schrittweises Vorgehen. Sie sei sicher erstrebenswert, aber nicht sofort für
alle umsetzbar. Wichtig sei es, die Kindergärten als erste Bildungseinrichtungen
zu verstehen, in denen die Sprachförderung einen Schwerpunkt bildet.
Raphaela Keller (Vorsitzender der Berufsgruppe von Kindergarten und
HortpädagogInnen Wien)
betonte, Bildung müsse als Bestandteil des ganzen Lebens begriffen werden.
Elementare Bildungseinrichtungen solle man besser nicht als "vorschulisch"
bezeichnen, da sie nicht nur auf die Schule vorbereiten. Sie seien mehr als
bloße Betreuungseinrichtungen. Der gesamte Bildungsbereich – auch der so
genannte "außerschulische" - müsse in ein Gesamtkonzept Bildung einbezogen
werden. Dafür wäre ein eigenes Ministerium für Bildung notwendig. Investitionen
in die elementaren Bildungseinrichtungen lohnen sich für die Gesellschaft später
vielfach, appellierte sie.
Elfriede Wegricht (Institut für Begabungsdiagnostik und Begabtenförderung)
hob die Bedeutung der Einstellung der Eltern ihren Kindern gegenüber hervor.
Diese bereite den Boden für spätere Bildungserfolge. Wichtig für den Erwerb der
Empathiefähigkeit und sozialer Kompetenz sei ein beständiges Gegenüber für das
Kind. Im allgemeinen werde das die Mutter bieten. Daher sei eine entsprechende
Ausbildung auch der Eltern grundlegend wichtig. Pädagogik müsse auf Herstellung
einer angstfreie Umgebung, in der Kinder ihre Talente und Potenziale erforschen
können, abzielen.
Schmied: Pädagogische Einrichtungen müssen ausgleichend wirken
Bundesministerin Claudia Schmied
wies auf die Rolle der Familie hin, wobei das Elternhaus die Bildungskarriere in
Österreich immer noch stark vorausbestimme. Hier müssen pädagogische
Einrichtungen ausgleichend wirken. Bildung verstehe sie sowohl als Bildung im
humanistischen Sinn als auch als Ausbildung. Auch die Kindergärten müssten dabei
schon als Bildungseinrichtungen verstanden werden. Was könne nun Bildungspolitik
dazu beitragen, damit sie diese Aufgabe auch wahrnehmen können, fragte Schmied
und nannte dazu fünf Punkte: eine ausreichende Anzahl der Betreuungsplätze, die
gute Ausbildung der PädagogInnen, Qualitätssicherung, die Förderung einer
wertschätzenden gesellschaftlichen Haltung und die Beachtung des Übergangs vom
Kindergarten zur Volksschule. Hier sei festzuhalten, dass bereits einiges
geschehen sei, das Platzangebot für die Vier- bis Sechsjährigen sei weitgehend
flächendeckend vorhanden.
Wichtig werde es aber sein, dass die Vielfalt der Kinder als Chance begriffen
und sprachliche Frühförderung stärker betont werde. Alles in allem habe eine
tiefgreifende Modernisierung des Bildungssystems begonnen. Das
Bildungsvolksbegehren habe bereits viel bewirkt, das müsse sich aber fortsetzen.
Sie hoffe, dass im Bildungsbereich eine Kultur der Wertschätzung und des
Gelingens sich etablieren lasse.
Auch Eltern brauchen Unterstützung
Ausschussobmann Elmar
Mayer (S) eröffnete die Runde der Abgeordnetenbeiträge und
verwies auf die Probleme, denen er in vielen Jahren der Tätigkeit als Pädagoge
begegnet sei. Es zeige sich, dass die Defizite der Kinder, welche wenig
gefördert werden, beim Übertritt in die Volksschule immer stärker werden. Die
Entwicklung, die sich hier abzeichne, sei erschreckend, denn was im frühen Alter
versäumt wurde, könne die Schule kaum mehr beheben.
Abgeordnete Gabriele
Binder-Maier (S) meinte, sie habe sich überzeugen lassen, dass
tatsächlich eine gemeinsame Ausbildung aller PädagogInnen erstrebenswert sei.
Dabei dürfe aber ihrer Meinung nach der Praxisbezug nicht verloren gehen. Auch
Eltern brauchten Unterstützung, die Phase der Schwangerschaft biete hier viele
Ansatzmöglichkeiten. Der Schlüssel zu Änderungen liege letztlich bei der
Neuregelung der Länderkompetenzen, hier müsse man ansetzen.
Abgeordnete Katharina
Cortolezis-Schlager (V) wies auf die Bedeutung entsprechender
Einrichtungen für Frühpädagogik an Hochschulen hin, hier seien erste Ansätze
gegeben. Über Grundlagenforschung und angewandter Forschung dürfe man die
Familien nicht vergessen. Zur Qualitätssicherung meinte sie, es sollte möglich
sein, eine solche flächendeckend einzurichten. Dazu gehöre auch das
entsprechende Platzangebot für die Kinder, damit sie tatsächlich lernen und
entdecken können, sowie gute Rahmenbedingungen für die PädagogInnen. Die
Kindergärten müssten nah an den Kommunen und bei den Eltern angesiedelt sein,
forderte sie.
Abgeordneter
Franz-Joseph Huainigg (V) sprach das Thema Behinderung in
Bildungseinrichtungen an. Kinder gingen mit Behinderung sehr selbstverständlich
um. Die Integration sei daher ein wichtiger Punkt. Ein Problem stellen die
Sonderschulen dar. Es zeige sich, dass die Zahl der SonderschülerInnen bisher
nie gesunken sei. Der hohe Anteil an MigrantInnenkindern in diesen Schulen sei
ein Hinweis darauf, dass dort offenbar nicht nur Kinder mit sonderpädagogischem
Bedarf zu finden sind. Hier seien die Interessen derer, die dieses System
erhalten wollen, offenbar stärker als die der Kinder, kritisierte der
Abgeordnete. Es müsse hier unbedingt etwas geschehen.
Abgeordnete Daniela
Musiol (G) stellte fest, es sei sicher positiv, dass im Ausschuss
eine Aufbruchsstimmung herrsche. Sie hoffe aber, diese schlage sich auch in
Ergebnissen nieder. Die Probleme selbst seien ja lange bekannt. So sei klar,
dass die bestehende Zersplitterung endlich durch Einführung einer
Bundeskompetenz überwunden werden müsse. Auch die gemeinsame akademische
Ausbildung der PädagogInnen müsse Realität werden. Dazu müsse der Bund aber die
entsprechenden Geldmittel einsetzen.
Abgeordnete Ursula
Haubner (B) sah die Bedeutung der frühkindlichen Pädagogik außer
Streit stehen. Die Fragen, die sich für sie stellen, betreffen die Einbindung
der Eltern und die Elternbildung. In die Qualitätssicherung müssten auch die
verschiedenen Angebote der Betreuung, wie Tageseltern, einbezogen werden. Ihre
Fraktion spreche sich auch eindeutig für eine bundeseinheitliche Kompetenz aus.
Elementare Bildung erfordert einen größeren Anteil am Budget
Eine zweite Diskussionsrunde zum Thema "elementare Bildung" leitete Hannes
Androsch als einer der Initiatoren des Volksbegehrens Bildungsinitiative ein,
indem er Vorschläge wie eine Bildungsstiftung und das zweite verpflichtende
Vorschuljahr ausdrücklich begrüßte. Die Frage der Finanzierung sei sicherlich
lösbar, zeigte er sich überzeugt, wenn man die Effizienz der Verwaltung
steigere. Hier sei viel Geld zu holen, das nur richtig eingesetzt werden müsse.
Es sei jedenfalls wichtig, dass die gebündelte Expertise und der Impuls des
Volksbegehrens zur Umsetzung der Vorschläge führe.
Heidemarie Lex-Nalis
konstatierte, die Behebung der Kompetenzzersplitterung im Bereich der
elementaren Bildung sei vorrangig. Vorschläge für die Umsetzung der
Qualitätssicherung und der tertiären Ausbildung der FrühpädagogInnen liegen vor,
sie müsse nur umgesetzt werden.
Siegmund Stemer
verwies darauf, dass neueste Erkenntnisse die Gruppe der Vier- bis Achtjährigen
als Einheit begreifen, in die aber der Übergang zur Volksschule als
schwerwiegender Einschnitt falle. Für die PädagogInnen in diesem Bereich brauche
man daher eine einheitliche Ausbildung und durchlässige Karrieremodelle.
Gerhild Hubmann
merkte an, auch bei Akademisierung des Berufs müsse die praktische Pädagogik
kindgerecht sein. Wichtig sei die Vereinfachung der Zuständigkeiten und
Kompetenzen, damit PädagogInnen praktisch arbeiten können.
Raphaela Keller
meinte, eine höhere Bewertung der Arbeitsleistung der PädagogInnen müsse sich
auch in einer besseren Bezahlung und der Möglichkeit zur Arbeit mit kleineren
Gruppen niederschlagen. Letztlich müsse an einem kontinuierlich Bildungssystem
für Kinder im Alter von 0-12 Jahren gearbeitet werden.
Elfriede Wegricht
betonte, dass die gute Ausbildung der PädagogInnen natürlich nicht nur die
intellektuellen Fähigkeiten im Auge haben dürfe. Wichtig sei die Fähigkeit zur
Empathie. Die Kenntnisse von Neuro- und Entwicklungspsychologie müssten
praktisch umgesetzt werden. Für PädagogInnen wie Eltern brauche man dabei ein
Angebot an Unterstützungen durch Fachleute.
Abgeordnete für Kompetenzänderungen im Bildungsbereich
Bundesministerin
Claudia Schmied sprach die Punkte an, in denen der Bund konkret
Möglichkeiten zur Umsetzung habe. Das sei zum einen die Weiterentwicklung der
berufsbildenden höheren Schulen. Österreich habe hier ein einzigartiges System,
das weiterentwickelt werden müsse. Derzeit seien die Lehrpläne der BMHS in
Bearbeitung. Vor dem Sommer stehe auch die Novellierung des
Sprachförderungsgesetzes an. Statt der ständigen Befristung sollte es hier
endlich eine dauerhafte Lösung geben, vor allem in Hinblick darauf, dass die
Migration und die daraus resultierende Sprachenvielfalt eine Tatsache sei, der
man sich stellen und die man auch als Chance begreifen müsse.
Abgeordneter Josef
Auer (S) gab der Hoffnung Ausdruck, dass die Umsetzung der
Forderungen des Bildungsvolksbegehren erfolgreich sein werde. Der Boden sei
aufbereitet, um ans Ziel zu gelangen, werde man auch finanzielle Mittel
brauchen.
Abgeordnete Anna Franz
(V) meinte, es sei zu hoffen, dass Lösungen gefunden werden, wie
die angesprochene Schnittstellenprobleme gelöst und die verbesserte
Wertschätzung der Frühpädagogik erreicht werden könne.
Abgeordneter Walter
Rosenkranz (F) meinte, es zeige sich, dass es viele
Gemeinsamkeiten gebe, die Frage werde sein, was man davon umsetzen könne. Es
werde dabei unumgänglich sein, Änderungen bei den Kompetenzen der
Landeshauptleute durchzusetzen.
Abgeordneter Harald
Walser (G) zeigte sich erfreut über die sachliche Diskussion. Die
erkannten Probleme müssten nun auch angegangen werden, ob es die bessere
Bezahlung oder die Vereinheitlichung der Kompetenzen gehe. Hier seien klare
Vorgaben des Gesetzgebers erforderlich.
Abgeordneter Rainer
Widmann (B) unterstrich, dass die Debatte die Bedeutung der
Frühpädagogik und die Notwendigkeit einer bundeseinheitliche Kompetenz klar
herausgestellt habe. Er hoffe, dass die Regierung in Zusammenarbeit mit der
Opposition den Worten auch Taten folgen lasse. (Schluss/Besonderer Ausschuss
http://www.parlament.gv.at/PAKT/PR/JAHR_2012/PK0143/index.shtml
Alle Details über den Fortschritt der Reform der Elementarbildung können Sie
regelmäßig im INFORMATIONSDIENST DER PLATTFORM EDUCARE lesen. Bitte schreiben
Sie eine Anforderungsmail mit Ihrem Namen und Ihrer E-Mail-Adresse sowie
allenfalls der Organisation, zu der Sie gehören:
http://www.plattform-educare.org/NEWSLETTER.htm. Da dieses Service
nebenberuflich erstellt wird, kann Regelmäßigkeit und verpflichtende Information
leider nicht gewährleistet werden.
Selbstverständlich ist die jederzeitige Abmeldung von diesem kostenlosen Service
möglich – bitte schreiben Sie dann eine Mail mit Ihrem Namen und Ihrer
E-Mail-Adresse, die in unserem Verteiler vorgemerkt ist und wir werden Ihre
Adresse aus dem Verteiler nehmen.
Stellungnahmen der Parlamentsparteien zu 10 Fragen zu grundlegenden Themen der
Bildung und Erziehung von Kindern im Vorschulalter
Österreichs
Parlamentsparteien einig: Elementarpädagogik umfassend reformieren!
Neben einer
Verfassungsänderung für die Zuständigkeit und der Notwendigkeit von
einheitlichen Rahmen- und Bildungsplänen soll die Ausbildung der
Elementarpädagogik im tertiären Bereich erfolgten.
Die Plattform EduCare -
eine parteiübergreifende, überkonfessionelle, keinen
pädagogischen Lehrmeinungen und Schulen und keinen Trägerorganisationen
verpflichtete Arbeitsgemeinschaft aus Vertreterinnen und Vertretern von
Institutionen, Interessengemeinschaften und TrägerInnenorganisationen aus dem
Bildungsbereich sowie von Pädagoginnen und Pädagogen – hat den fünf im
österreichischen Parlament 10 Fragen zu grundlegenden Themen der Bildung und
Erziehung von Kindern im Vorschulalter zur Stellungnahmen vorgelegt.
Die Antworten dazu liegen nun vor.
Kindergarten als
Bildungseinrichtung.
Unbestritten ist die Definition des
Kindergartens als Bildungseinrichtungen. Das BZÖ differenziert, dass der
„Kindergarten als grundlegende Bildungseinrichtung“ als ein Schwerpunkt über den
bildungspolitischen Bereich hinausgehender Schwerpunkt der politischen
Bemühungen der nächsten Jahre sein muss.
Verfassungsmäßige
Zuordnung des bisherigen Bereichs der Kinderbetreuungs- und
Bildungseinrichtungen.
Differenziertere Ansichten finden
sich zur Überführung des gesamten Bereiches der bisherigen Kinderbetreuungs- und
–bildungseinrichtungen – wie Kinderkrippen, Kindergärten, Kindergruppen,
Tagesmütter u.s.w. – von der bisherig ausschließlichen Zuständigkeit der Länder
in die Grundsatzgesetzgebung des
Bundes bei gleichzeitiger Ausführungsgesetzgebung
durch die Bundesländer. Während die SPÖ grundsätzlich dafür ist, verschanzt sich
die ÖVP hinter der „Regierungsvereinbarung“ und vertröstet diese Regelung auf
den Tag einer grundsätzlichen Verfassungs- und Verwaltungsreform. Die GRÜNEN
sagen zu einer grundsätzlichen Überführung ein uneingeschränktes ja; FPÖ und BZÖ
sehen die Erfordernisse zwar im Grundsatz ebenso, verweisen jedoch auf
unterschiedliche Lösungsansätze.
Gesetzlicher
Anspruch.
Für einen gesetzlich verankerten
Anspruch auf einen Betreuungs/Bildungsplatz sprechen sich unisono 4 der 5
Parlamentsparteien aus, lediglich die ÖVP hinterfragt die Notwendigkeit eines
gesetzlichen Anspruches, betont aber die Notwendigkeit des„bedarfsorienten
Ausbaus“.
Verbindliche
Mindeststandards, einheitlicher Bildungsplan.
Über verbindliche Mindesstandards
und einen einheitlichen Bildungsplan, in denen auch die Bildungs-, Betreuungs-
und Erziehungsziele für unter 3jährige Kinder miteinbezogen sind, gehen die
Meinungen auseinander: während alle 3 Oppositionsparteien (!) dafür sind, findet
die SPÖ lediglich zu einem „Bundesrahmengesetz“ ein klares Ja, findet jedoch,
dass ein einheitlicher Bildungsplan derzeit noch nicht beschlussreif ist. Die
ÖVP wiederum wiederum möchte die Art der Festlegung auf Mindeststandards zuerst
zwischen Bund und Ländern ausdiskutieren und findet – im Unterschied zum
Regierungspartner - dass ein einheitlicher Bildungsplan Bestandteil des
Regierungsübereinkommens ist und in dieser Legislaturperiode verwirklicht wird.
Ausbildung der
Elementaroädagoginnen/en
Währen SPÖ und ÖVP auf die
entsprechden Weiterentwicklungswünsche in der Regierungsübereinkunft verweisen,
sind sich die Oppositionsparteien in der Forderung nach tertiärer Ausbildung der
Elementarpädagogen/innen einig. Ebenso wie die FPÖ verweisen die GRÜNEN darauf,
dass diese Ausbildung im Kontext mit der Ausbildung aller pädagogischen Berufe
zu sehen ist. Die FPÖ geht hier in der Wortwahl noch weiter und fordert die
Integration der Pädagogischen Hochschulen in Universitäten bzw. die Überführung
der konfessionellen Hochschulen in Privatuniversitäten.
Wissenschaftliche
Forschung
Die Implementierung von
wissenschaftlicher Forschung für den elementaren und außerschulischen
Bildungsbereich befürworten sätmliche Parteien ohne Einschränkungen. Die ÖVP
verweist in diesem Zusammenhang, dass über Initiative von Wissenschaftsminister
Hahn an der Universität Graz ein
Lehrstuhl für Frühkindpädagogik eingerichtet wurde.
Christiane Hangel (bkn):
Erziehung: „Wozu reden? Ein Baby versteht eh nix“
DORIS KRAUS (Die
Presse)
Immer mehr Kinder
weisen Sprachstörungen auf. Eltern müssen wieder lernen, wie man mit einem
Baby kommuniziert. Christiane Hangel möchte mit ihrem Kabarettprogramm
"Das Sprachlos" aufrütteln.
Christiane Hangel nimmt's mit Humor: „Ich zeig Ihnen
heute, wie Sie Ihrem Kind den Spracherwerb so schwer wie möglich
machen“, beginnt sie ihren Kabarettabend in einem niederösterreichischen
Kindergarten. „Reden Sie bloß nicht mit dem Kind. Wenn Sie unbedingt was
sagen müssen, bleiben Sie auf einem möglichst niedrigen Niveau: Alles,
was vier Beine hat, ist ein Wauwau; alles, was zwei Beine und Federn
hat, ist ein Pipi. Sagen Sie nie, nie, nie, wie's Ihnen geht. Sorgen Sie
immer für Beschallung im Hintergrund. Und noch eins: Lücken im Kalender
sind Gift. Da könnte Erlerntes ja verarbeitet werden.“
Ihre Zuseher amüsieren sich königlich, lachen mal aus vollem Herzen,
mal auf jene bestimmte Art, die sagt: „Hoppla, das hab ich auch schon
gemacht.“ Etwa, wenn Hangel erklärt, warum viele Kinder sich nicht mehr
um ganze Sätze bemühen: „Karli sagt ,Durst‘, und die Kammerzofe rennt
und holt was zu trinken. Karli muss nicht mehr sagen: ,Ich möchte bitte
etwas zu trinken.‘“
Was sie hier in humoristischen Happen serviert, liegt Christiane
Hangel in Wahrheit ziemlich schwer im Magen. Die gelernte
Kindergärtnerin und Heilpädagogin kam schon vor längerer Zeit zu einem
Schluss, der von allen geteilt wird, die derzeit professionell mit
Kindern zu tun haben: Der Nachwuchs hat immer größere Schwierigkeiten,
die eigene Muttersprache zu erlernen, fehlerlos zu sprechen, Gesagtes zu
begreifen und Gefühltes auszudrücken.
Die Interessenvertretung niederösterreichischer Familien teilte vor
einiger Zeit mit, dass mindestens jeder zehnte Schulanfänger
behandlungsbedürftige Sprachauffälligkeiten zeige. Die fachliche
Leiterin des logopädischen Dienstes der Volkshilfe Oberösterreich,
Martina Bernegger, erklärte dem „Neuen Volksblatt“, dass „jedes Jahr
etwa ein bis zwei Prozent mehr Kinder“ eine Sprachstörung aufwiesen.
Andrea Lattinger, die seit 20 Jahren als Logopädin arbeitet,
unterschreibt diesen Befund nicht nur, sondern weitet ihn auch noch aus:
„Diese Verschlechterung zieht sich quer durch alle
Gesellschaftsschichten.“
Bei den meisten Kindern werden Sprachstörungen erst ein Jahr vor
Schuleintritt als so gravierend erkannt, dass sie behandelt werden. Für
Christiane Hangel ist das viel zu spät. Deshalb versucht sie mit ihrem
Kabarettprogramm „Das Sprachlos“, die Eltern möglichst früh
aufzurütteln.
Die Gründe für die Probleme im Spracherwerb werden von Hangel und
Lattinger fast gleichlautend benannt: mit Kindern wird zu wenig geredet
oder in einer Babysprache; Erwachsene kommen nicht authentisch rüber,
sondern verstellen sich gegenüber dem Kind, benennen ihre Gefühle nicht;
zwischenmenschliche Kommunikation wird zu früh durch elektronische
ersetzt (sollte nicht vor dem Alter von zwei passieren).
Beide Expertinnen aber sorgen sich vor allem um eines: Vielen Eltern
ist ein „natürlicher“ Zugang in der Kommunikation mit Kleinst- und
Kleinkindern abhandengekommen. Ein Beispiel: Das Streicheln von
Babyfüßchen und das „Radlfahren“ mit kleinen Beinchen fördert nicht nur
die Mutter-Kind-Bindung, sondern erledigt nebenbei gleichzeitig so
Kleinigkeiten wie die Bildung von Synapsen im Gehirn. „Was früher als
selbstverständlich galt, müssen wir uns jetzt erst wieder mühsam
aneignen“, meint Lattinger.
Wie wichtig bereits die Kommunikation mit Kindern ist, die selbst
noch nicht sprechen können, beweist eine neue Untersuchung der
University of Chicago. Sie belegt, dass Eltern, die ihren Kindern
gegenüber möglichst viele Gesten mit Bedeutung einsetzen, den Grundstein
dafür legen, dass die Kinder später über einen größeren Wortschatz
verfügen (siehe unten).
Ein oft vernachlässigter Punkt ist, dass Kinder unterschiedliche
Hörstimulationen brauchen. „Kinder, die nur von Frauenstimmen umgeben
sind, können lernen, diese Frequenzen auszublenden“, sagt Hangel. Daher
sei es wichtig, auch den Vater schon früh in die Kommunikation mit dem
Kind einzubinden.
Ebenfalls unerlässlich sei aber, sagen Lattinger und
Hangel, dass manchmal überhaupt nichts zu hören ist. „Stille“ werde
immer seltener. Gerade die Abwesenheit von Geräuschen aber ermögliche
Kindern, erworbene Fähigkeiten zu konsolidieren. Damit ist allerdings
nicht die Stille gemeint, die Hangel kabarettistisch vorführt. „Redest
du mit dem Kind nicht?“, wird eine Mutter gefragt, die ihr Baby
schweigend badet. „Reden?“, antwortet die Mutter. „Wozu? Ein Baby
versteht ja eh nix.“
Fr. Christiane Hangel
Sonderkindergartenpädagogin, Supervisorin und Kabarettistin ist
bkn-Gründungsmitglied und bkn-Ehrenmitglied
bkn -
Diskussionsforum
"Was uns bewegt - reden wir
darüber !
Viele Kolleginnen
diskutierten angeregt über die aktuellen Belange der Bildungseinrichtung
Kindergarten.
Auf Wunsch kommen wir auch
gerne in andere Regionen Niederösterreichs,
denn deine/ihre Meinung ist uns wichtig.
Der bkn - Vorstand
Pressekonferenz:
Teilnahme von Mag. Rosina Pulker und Lydia Kadoun
Thema:
„Kompetenzdschungel im Elementaren Bildungsbereich“
Bericht von der
Pressekonferenz der Plattform Educare mit dem Titel
"Kompetenzdschungel im
Elementarbildungsbereich":
Am Podium:
Mag. Alois Guger, Forschungsbereichskoordinator und Wissenschaftlicher
Mitarbeiter WIFO
Dr. Bernd Schilcher, O. Univ.-Prof.i.R., Leiter der Bildungskommission
Mag.a Rosina Pulker, Kindergarten- und Hortpädagogin, Klinische Psychologin,
ÖDKH/bkn
Mag.a Dr.in Heidemarie Lex-Nalis, Kindergareten- und Hortpädagogin, Direktorin
der BAKIPÄD Wien 10. i.R., Plattform Educare
Bildung beginnt lange vor der Schule, daher müssen
Elementare Bildungseinrichtungen in die gesamt-österreichische
Bildungslandschaft eingegliedert werden.
Die Bedeutung der frühen Entwicklungsjahre vor allem im Hinblick auf die
Lern- und Leistungsfähigkeit der Kinder und für deren spätere
Lebensperspektiven ist wissenschaftlich längst hinreichend bewiesen.
Nicht nur die PISA-Ergebnisse, sondern auch andere Studie
und Erhebungen - wie z. B. die OECD_Studie "Starting Strong" und zuletzt die
Experten/innenkommission des BMUKK stellen Österreich kein gutes Zeugnis aus:
o zu später Beginn einer strukturierten und organisierten Frühförderung
o Bildungs- und Erziehungsziele zu unterschiedlich
o "Wir sind wahrscheinlich das einzige Land der Welt mit einer
Kompetenzverteilung im Bildungsbereich, die niemand versteht und niemand
braucht." (2. Zwischenbericht des BMUKK 04/08)
Auch Wirtschaftsexperten untermauern die Forderung nach
Elementaren Bildungseinrichtungen:
o möglichst frühzeitige Förderung gegen späteres Scheitern im Bildungsprozess
o verpflichtendes Kindergartenjahr zur Erkennung von Schwächen
o Kinder aus bildungsfernen Schichten bleiben hinter dem ihrem Alter
entsprechenden Qualifikationsprofil zurück - Chancengleichheit im Bildungssystem
wird durch Kindergartenbesuch verbessert
Der Bund hat die Verantwortung für die Elementare
Bildungs- Betreuungs- und Erziehungsleistungen zu übernehmen!
Experten der Plattform Educare fordern:
o Bunderverfassungsgesetz dahingehend ändern, dass Kindergärten und Horte
nicht mehr alleinige Landessache sind. sondern diese in Artikel 12 übergeführt
werden, damit Gesetzgebung und Vollziehung Bundessache und Landessache ist
o Bundesrahmengesetz, dass verbindliche Mindeststandarts für ganz Österreich
o Entwicklung eines einheitlichen Bildungsplanes für ganz Österreich unter
Miteinbeziehung der Bildungs-/Betreuungs- und Erziehungsziele von unter
3jährigen
o Anhebung der Ausbildung von Pädagoginnen für den Elementarbereich auf
Hochschulniveau mit den anderen pädagogischen Berufen
Die bkn unterstützt diese Forderungen !
|